Sonic Topologies

Sonic Topologies
September 22, 2021 Ludwig Berger

24.-26. JUNI 2022 – SAVE THE DATE!

Das interdisziplinäre Klang-Festival «Sonic Topologies» untersucht an den Schnittstellen von zeitgenössischer Musik, Klangkunst, Architektur und Wissenschaft die klangliche Komposition der Stadtlandschaft. Im öffentlichen Raum Zürichs werden 30 Positionen herausragender MusikerInnen und KlangspezialistInnen präsentiert, welche die Klangkörper und -räume der Stadt hörbar machen und neu imaginieren.

PROJEKT

«Sonic Topologies» untersucht an den Schnittstellen von zeitgenössischer Musik, Klangkunst, Architektur und Wissenschaft die klangliche Komposition der Stadtlandschaft. An fünf charakteristischen Orten in Zürich werden künstlerische, gestalterische und wissenschaftliche Positionen präsentiert, welche die Klangkörper und Klangräume der Landschaft auf vielfältige Weise hörbar machen. Das Festival bringt den langjährigen Forschungsschwerpunkt der akustischen Umwelt am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der ETH Zürich einem breiten Publikum näher und knüpft dabei an Positionen von R. Murray Schafer und Pauline Oliveros an.

Das dreitägige Festival besteht aus drei Konzertabenden und zwei Tagesprogrammen mit klanglichen Präsentationen und Workshops. Die Veranstaltungsorte stellen einmalige Bezüge zum Stadtraum her und bieten eine grosse klangliche Vielfalt: vom grössten Wasserreservoir der Schweiz mit seinem nahezu endlosen Nachhall, über die städtebaulich umstrittene und facettenreiche Hardturmbrache, die intime Unterwasserwelt des Wärmebad Käferbergs, den historischen Alten Botanischen Garten mit seinem biodiversen Soundscape, bis hin zur sozialgeschichtlich relevanten Saffa-Insel vor dem weiten akustischen Horizont des Zürichsees.

Dreissig international renommierte und lokal erfahrene KünstlerInnen entwickeln für einen dieser Orte einen Beitrag, der die jeweilige akustische, ökologische, soziale oder historische Charakteristik als Ausgangspunkt nimmt. So regen Jen Reimer & Max Stein die Raumresonanzen des Wasserreservoirs mit Horn und lokalen Feldaufnahmen an, Marcus Maeder macht die versteckten Klänge des Bodens im Botanischen Garten hörbar, und A Frei und Franziska Koch vergegenwärtigen die Geschichte der Saffa-Insel mit partizipativen Hörübungen. Diese künstlerische Arbeiten werden mit Positionen aus Wissenschaft und Architektur in Dialog gebracht, welche klangliche Methoden zur Untersuchung oder Gestaltung eines Ortes einsetzen. So stellt die Biologin Meta Virant-Doberlet im Botanischen Garten ihren innovativen Einsatz von Körperschallwandlern vor, mit denen sie die faszinierenden Vibrations-Signale von Insekten in Luftschall umwandelt; die Musikwissenschaftlerin Mylène Pardoen simuliert wie das historische Soundscape Zürichs geklungen haben könnte; und der Stadtforscher und Komponist Nicola di Croce setzt partizipative Methoden aus der Klangkunst ein, um über eine klangliche Neugestaltung der Hardturmbrache zu imaginieren. 

Durch diese vielfältigen Präsentationen wird das akustische und musikalische Potential jedes Ortes multiperspektivisch entfaltet. Dem Publikum werden neue Hörperspektiven auf sowohl alltägliche als auch aussergewöhnliche Räume ermöglicht. Mehrere innovative Formate erkunden die alltägliche Lebenswelt partizipativ, so auch in den Beiträgen von Andres Bosshard, Tomoko Sauvage und Hong-Kai Wang, in denen das Publikum zum klanglichen Interpreten der Stadtlandschaft wird. 

Auch bei den Vorträgen und Workshops im Tagesprogramm steht nicht die sprachliche Vermittlung, sondern das klangliche Erleben der Landschaft im Zentrum. Wissenschaftliche Messinstrumente werden zu musikalischen Instrumenten, raumakustische Analysen zum Ausgangspunkt für meditative Hörübungen, sozialgeografische Fragestellungen zu partizipativen Partituren. Indem die disziplinären Grenzen aufgelöst werden, wird ein ganzheitliches Hören der Stadtlandschaft ermöglicht – im Dialog zwischen lokalen, nationalen und internationalen MusikerInnen, WissenschaftlerInnen, ArchitektInnen und interessierten TeilnehmerInnen. In der Schweiz nimmt das Festival «Sonic Topologies» mit seiner multiperspektivischen Herangehensweise eine Pionierrolle in der Vermittlung der klanglichen Eigenschaften unserer Umwelt ein. 

Um ein internationales Publikum zu erreichen und die Beiträge langfristig zugänglich zu machen, wird das Festival mittels professionellen Videoaufnahmen sowie hochqualitativen räumlichen Tonaufnahmen dokumentiert. Diese Dokumentation wird auf unserer Webseite, den sozialen Medien sowie einer multimedialen Publikation mit ausgewählten Textbeiträgen und Interviews, Fotos und einem begleitenden Tonträger mit Konzertausschnitten veröffentlicht.

 

ZIELE

«Sonic Topologies» begreift die Stadtlandschaft als eine komplexe klangliche Komposition, die von einer Vielzahl von Akteuren geformt wird. Das Festival will das musikalische, gestalterische, soziale und ökologische Potential einer bewusst erlebten und geformten Klanglandschaft sinnlich erfahrbar machen.

Die zeitgenössische Musik und Klangkunst hat vielseitige ortsspezifische Ansätze hervorgebracht, welche über ihren ästhetischen Wert hinaus einen hohen Erkenntniswert haben. Parallel werden wissenschaftliche Untersuchungsmethoden immer relevanter, die Techniken der elektroakustischen Komposition und Klangkunst einsetzen. Zwischen Analyse und Komposition steht die Klangarchitektur, welche die akustische Dimension von Gebäuden und Landschaften bewusst gestaltet.

Diese drei Bereiche werden zusammengeführt, um für das Publikum profunde Hörerlebnisse der städtischen Klangkörper und -räume zu ermöglichen und somit die akustische Umwelt in all ihrer Komplexität zu erkunden.

Durch das Festival, die Webseite, die Publikation und eine umfassende Medienarbeit sind wir überzeugt, einen nachhaltigen Beitrag zur Komposition unserer Klanglandschaft zu leisten. In ansprechenden und innovativen Formaten wollen wir mit hochrelevanter Klangkunst, unerhörten Klängen aus der Wissenschaft und wegweisenden Ansätzen der Klangarchitektur den Stadtraum zum klingen bringen und ein breites Publikum erreichen.

HINTERGRUND

Am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur an der ETH Zürich beschäftigen wir uns seit über einem Jahrzehnt mit der klanglichen Dimension der Landschaft. In mehreren Publikationen und Dissertationen, Ausstellungen und Symposien sowie in zahlreichen Kursen und Workshops haben wir verschiedene Klanglandschaften mit Hilfe audiovisueller Medien analysiert und reproduziert. Dabei steht eine experimentelle künstlerische Feldforschung im Vordergrund, die Methoden aus Klangkunst und analoger Fotografie anwendet. Zu den untersuchten Landschaften gehören japanische Gärten, alpine Gletscher und der urbane Raum Zürichs. Ein Beispiel für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt ist das international ausgezeichnete audiovisuelle Projekt «Melting Landscapes» (2018), bei denen Klangaufnahmen und Fotografien eines schmelzenden Gletschers in einer Publikation und Ausstellung samt Symposium präsentiert wurden.

Bereits im Jahr 2012 führten wir in einem international beachteten Symposium den Begriff der Topologie in die  Landschaftsarchitektur ein. Die «Topologie» steht hier für eine ganzheitliche Betrachtung der Landschaft, welche auf ästhetische Weise eine Vielzahl von Teildisziplinen in der Untersuchung eines Ortes vereint und in der bewussten Gestaltung von Landschaft die tief verwurzelten Traditionen in der Formung und Erhaltung der Natur stärkt. 

Ende 2020 starteten wir mit der Planung des Festivals «Sonic Topologies», das den Begriff der Topologie durch die klangliche Dimension anhand einer Vielzahl von Beiträgen aus zeitgenössischer Musik, Klangkunst, Wissenschaft und Architektur zu erweitern sucht. Dabei stand von Anfang an der Wunsch mit einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt zu treten und dieser neue Hörperspektiven auf sowohl alltägliche, wie auch aussergewöhnliche Räume zu ermöglichen.

PROJECT TEAM

Prof. Christophe Girot Ludwig Berger, Nicholas Schärer, Johannes Rebsamen, Myriam Uzor

ORGANISATION

ETH Zurich DARCH –MediaLab, Chair of Prof. Christophe Girot, Institute of Landscape Architecture